KliCK n TRiCK
Von Delfinen abgeschaut
Trick-Training bringt graue Zellen in Schwung
Pfiff & Fisch: So macht Training Spaß
Sie machen Loopings, klatschen in die Flossen, springen durch Reifen, skippern hoch aufgerichtet auf ihrer Schwanzflosse durch das Becken und fangen nach dem Pfiff den Fisch zur Belohnung aus der Luft. Die Delfine sind eifrig und “gut drauf.“
Die “Flipper“ in den Delfinarien begeistern die Menschen mit ihren Kunststücken.
Ihre Trainer stehen am Rande des Beckens mit einer Trillerpfeife und einem Eimer voller Fische. Die Tiere achten aufmerksam auf sie. Sie wollen keines der feinen Signale verpassen, mit denen die Trainer ihnen die Aufgaben “ansagen.“ Jede neue Aufgabe eine Chance, die begehrte Belohnung zu verdienen. So geben sie ihr Bestes und arbeiten freudig und freiwillig für Pfiff & Fisch!
Training mit Pfiff: Frei und willig - trotz Distanz und ohne Strafe
Wie ist es möglich, dass die Delfine ihr Training ganz offensichtlich genießen.
Mensch und Delfin bewohnen verschiedene Lebensräume. Daraus ergibt sich eine Trainingssituation, in der dem Menschen quasi die Hände gebunden sind!
Um Belohnung oder Bestrafung passend zu dem gezeigten Verhalten zu verteilen – wie im traditionellen Hundetraining üblich – müsste der Mensch sich in unmittelbarer Nähe seines Schülers befinden. Das kann kein Mensch im nassen Element der Delfine schaffen.
Vieles, was im normalen Hundetraining selbstverständlich praktiziert wird, ist beim Training der Delfine durch die getrennten Lebensräume nicht möglich:
Direkte Berührungen, ob als taktile Information oder als Strafe gedacht, entfallen.
Körperliche Einwirkungen, wie die mehr oder weniger massive Einschränkung der Bewegung durch die Leine oder der als “Korrektur“ geschönte Leinen-Ruck stehen nicht zur Verfügung.
Drohgesten, Anschreien und körperliche Strafen fallen buchstäblich ins Wasser.
Der Delfin schwimmt davon, wenn es ihm zu blöd oder zu ungemütlich wird.
Da muss der Mensch sich etwas anderes ausdenken: Training mit Pfiff!
Der elektrisierende Pfiff sagt: Das hat sich gelohnt & Belohnung kommt
Der Delfin hat gelernt, dass der Pfiff eine ganz besondere Bedeutung hat.
Denn der Pfiff kündigt zuverlässig an, dass es gleich den begehrten Fisch gibt.
Dadurch sind Pfiff & Fisch für den Delfin zu einer Informationseinheit verschmolzen.
Der Lernprozess, der dies bewirkt hat, ist die Klassische Konditionierung, von Pawlow entdeckt und erforscht. Kennzeichen dieser Lernform ist, dass Reflexe und Emotionen mit einem Signal verknüpft werden.
So ist der Pfiff für den Delfin mit der Vorfreude auf die Belohnung verbunden und löst schon allein die positive Erwartungshaltung aus.
Der Pfiff ist ein konditionierter Verstärker. So klingt das in der Fachsprache.
In der Trainings-Praxis gibt der Pfiff des Trainers dem Delfin die Information:
„Gut gemacht! Das, was du gerade tust, hat sich gelohnt!“ Unabhängig davon, wo Mensch und Tier sich gerade befinden.
Der Pfiff dient als Verhaltensmarker, der im Fluss aller Bewegungen und Aktionen des Delfins wie ein Schnappschuss punktgenau den Moment kennzeichnet, in dem das Tier das angestrebte Verhalten zeigt.
Dadurch erhält das Tier die exakte Information, welches Verhalten gemeint ist und ihm Pluspunkte bringt.
Wir alle kennen und nutzen Textmarker, mit denen wir die Kernaussagen eines Textes für unser Gedächtnis optisch hervorheben.
Wir wissen inzwischen aus der Neurobiologie, dass es im Gehirn ein Belohnungszentrum gibt. Hier findet bei gefühlter Belohnung und bei angenehmer Überraschung eine messbare Dopamin-Ausschüttung statt.
Wenn mit Marker-Signalen trainiert wird, finden im Gehirn zwei Ausschüttungen statt: Erstens wenn das Signal ertönt und zweitens bei der Belohnungsgabe selbst. Das Tier erlebt eine zweigipfelige Dopamin-Ausschüttung oder anders gesagt doppelte Freude.
Das Verblüffende: Die Dopamin-Menge ist beim Marker-Signal größer als bei der Belohnung selbst.
Damit ist die Frage beantwortet, warum die Delfine ihr Training so lieben!
Clicker-Training: Ein Konzept begeistert Hundefreunde in aller Welt
Das Wissen, das hinter dem Delfin-Training steht, stammt aus den Laboratorien der Lernpsychologie. Hier wurden Anfang bis Mitte des vorigen Jahrhunderts Bedingungen, Formen und Zusammenhänge von Lernen wissenschaftlich untersucht. Es wurde unter Laborbedingungen nachgewiesen, dass Lernen bestimmten Gesetzmäßigkeiten folgt.
"Auch wenn Ihr Hund Ihnen nicht gehorcht, die Gesetze der Lerntheorie befolgt er in jedem Fall!" Dieser ironische Ausspruch bringt auf den Punkt, dass es gute Gründe gibt, sich mit den Gestzen des Lernens zu befassen.
Karen Pryor - eine erfahrene Delfintrainerin hat Mitte der 80er mit ihrem Buch “Don’t shot the dog“ das Clicker-Training einem breiten Publikum zugänglich gemacht.
Im Unterschied zum Delfintraining wurde anstelle der Pfeife ein Knackfrosch – der Clicker – als akustisches Signal verwendet.
Hundefreunde, denen das Wohlbefinden ihres Hundes am Herzen lag, haben dieses Konzept begeistert aufgenommen.
Bisher wurde bei Erziehung und Ausbildung des Hundes immer irgendwie mit “Zuckerbrot und Peitsche,“ einer Mischung aus Belohnung und Bestrafung gearbeitet.
Der Leinenruck als Erziehungsmittel war so selbstverständlich, dass niemand darüber nachgedacht hat. Warum auch. Das war schon immer so.
Aber einigen war nicht wohl dabei. Sie suchten nach einer Möglichkeit, wie es anders gehen könnte. Hier war sie.
Der Leitgedanke: Wir erwischen den Hund, wenn er brav ist!
Clicker-Training verändert nicht nur die Trainingspraxis sondern auch die Denkweise.
Der Fokus richtet sich gezielt auf erwünschtes Verhalten, das gut belohnt wird.
Clicker-Training ist Belohnungskonditionierung
Erwünschtes Verhalten wird durch angenehme Konsequenzen lohnenswert gemacht.
Dadurch wird es verstärkt. Das bedeutet, es wird zukünftig häufiger, schneller, intensiver, anhaltender auftreten.
Die Belohnungsmöglichkeiten sind so vielfältig wie der Hund und die jeweilige Trainingssituation: Leckerli, Spielen, Soziale Zuwendung oder ein bevorzugtes Verhalten ausführen dürfen.
Je besser eine Belohnung zur aktuellen Bedürfnislage des Hundes passt, desto intensiver wird gelernt.
Die Entscheidung trifft das Hundegehirn. Hier ist der Mensch gefragt, der seinen Hund in dieser Trainingsform immer besser kennen lernt.
Clicker-Training nutzt ein Markersignal
Eine gemeinsame Signalsprache macht die Verständigung präzise und eindeutig.
Das Markersignal bezeichnet punktgenau das angestrebte Verhalten und gibt damit die eindeutige Information, welches Verhalten sich lohnt.
Der Mensch lernt, Hundeverhalten aufmerksam zu beobachten, seine Lernschritte genau zu überdenken, jeweils ein einzelnes Kriterium festzulegen und seine eigenen Regeln konsequent ein zu halten.
Die positive Wirkung, die das Markersignal im Gehirn hat, wurde oben beschrieben.
Clicker-Training schafft Motivation
Clicker-Training ist für das Tier ein Gewinnspiel. Es erhält im Training die Chance, sich Belohnungen zu verdienen. Den Weg zur Belohnung findet es selbst heraus. Damit ist reichlich Dopamin im Spiel.
Bei Problemen oder Fehlern hilft der Mensch anstatt zu Meckern. Das Tier hat keine Sanktionen zu befürchten. So entsteht eine angstfreie Lernatmosphäre.
Kluges Management verhindert “Dummfug,“ bis es durch ein erlerntes Verhalten ersetzt werden kann.
Die einzige Strafe, die es gibt, ist ein Abbruch der Trainingssequenz. Da dies vom Tier als sehr schlimm empfunden wird, ist es eine seltene Ausnahme.
Clicker-Training ist vielseitig
Clicker-Training ermöglicht effektive Lernprozesse in Erziehung und Ausbildung.
Man kann mit dem Clicker neues Verhalten aufbauen, Unpassendes ohne Stress korrigieren, im sportlichen Bereich die Standards durch Feinformung verbessern.
Clickern kann im Umgang mit Angst und Aufregung die emotionale Grundlage verändern. Dadurch kann sich das Tier so weit entspannen, dass sich das Gehirn wieder im denkenden Modus befindet und Informationen aufnehmen kann.
Clickern wirkt auf Distanz und ist unabhängig von der Person.
Trick-Training: Hirnjogging für Mensch und Hund
Trick-Training ist als Übungsfeld für den Umgang mit Marker und Belohnung ideal. Niemand ist gestresst oder ängstlich, weil es um eine ernste Sache geht. Das Team kann ohne Druck herum probieren, sich immer besser verstehen lernen und zusammen finden.
Unser Einführungs-Kurs wird zu Beginn die Clicker-Anfänger mit der praktischen Anwendung vertraut machen. Das heißt, Hund und Mensch werden “angeclickert.“ Keiner muss dabei ins Wasserbecken! 
Spezielle Übungen für alle werden sich dem Timing und der genauen Verhaltensbeobachtung widmen. Keine Angst, keiner muss dafür durch den Reifen springen! 
In kleinen Praxiseinheiten werden die Teilnehmer verschiedene typische Vorgehensweisen des Clickertrainings kennen lernen und in Spielaktionen unter einander und mit ihrem Hund erproben: Verhalten einfangen, Verhalten formen, Einsatz von Targets.
Denken wir an die Delfine! Tricks zu lernen und damit anzugeben macht Mensch und Hund tierisch viel Spaß. Und hält für beide jede Menge Überraschungen bereit. Damit haben wir auf jeden Fall reichlich Dopamin an Bord!
Trick-Training ist für beide eine Herausforderung für den Kopf. Denn es verlangt von Mensch und Hund Konzentration, Kommunikation und Kooperation.
Und die Koordination neuer ungewöhnlicher Bewegungsfolgen. Bewegungen, die außerhalb der Routine liegen, bringen nicht nur den Körper auf Trab. Sie geben dem senso-motorischen System Impulse. Im Gehirn entstehen neue Bahnungen und Verschaltungen als Antwort auf die veränderten Anforderungen.
Diese Art des Trainings wird bei Menschen als Vorbeugung gegen Demenz im Alter angesehen.
Öde im Schlaraffenland: Trick-Training bringt Frohsinn in trübe Tage
Delfine in Gefangenschaft fallen in Depressionen und sterben vor Langeweile, wenn sie nicht durch sinnvolle Beschäftigung Anregung, Aufregung, Zuwendung erfahren.
Wildbiologen wissen, dass Wildtiere einen großen Teil ihrer Wachzeit für die Beschaffung von Nahrung einsetzen müssen.
Zoobiologen haben das Problem, dass ihre Zöglinge im Schlaraffenland vor vollen Trögen verkümmern. Wenn es nicht gelingt, das Haltungsumfeld so abwechslungsreich und interessant zu gestalten, dass es Aktivitätsanreize bietet.
Unsere Hunde kennen das Problem: Nur Wenige teilen heute noch als Arbeitskollegen das Leben ihres Menschen. Sie dürfen ihre arteigenen Fähigkeiten als Jagdgehilfe, Suchhund oder Hütehund ausleben.
Die meisten Hunde leben als Gesellschafter mit dem Menschen in einer unhundlichen Welt, in der die angeborenen Verhaltenspotentiale des Hundes kaum gefragt sind.
Trick-Training kann hier als Beschäftigungsangebot einen Ausgleich bieten für die Zeit des geduldigen Wartens auf Abwechslung.
Die langen Winterwochen verlieren ihren Schrecken, wenn der Mensch mit dem eifrigen Hund Zeit findet, neue Tricks zu lernen.
Für Teams, in denen einer oder beide aus gesundheitlichen Gründen oder Alters bedingt nicht mehr in der Lage sind, schnelle Füße zu machen, ist es eine wundervolle und sinnvolle Beschäftigung.
Kulturtechniken: AlltagsTraining ist TrickTraining
Es ist leicht, in Bereichen zu trainieren, in denen wir auf angeborenem Verhalten aufbauen können. Die Ausführung von genetisch verankertem Verhalten ist biologisch durch Selbstbelohnung abgesichert: Sich kratzen stillt den Juckreiz und Futter finden den Hunger.
Der gut ausgeführte Mäuselsprung belohnt den Hund unmittelbar mit der gefangenen Maus.
Ohne genetische Vorlage wird das Training schwieriger. Der Mensch ist gefragt.
Er macht das gewünschte Verhalten mit Marker & Belohnung lohnenswert!
Die Liste von Verhaltensweisen ist lang, die wir im Alltag von unserem Hund erwarten. Für die es in seinen angeborenen Verhaltensmustern aber keine Vorlage gibt:
Gesittet an der Leine gehen, beim Familienessen brav im Körbchen liegen, auf Beutereize nicht spontan reagieren dürfen, sich von Kindern necken lassen, alle Ressourcen freundlich teilen. Es gibt genug zu tun. Clickern wir doch einfach los!
Wir erwischen den Hund, wenn er brav ist!
Klick n Trick! Hirnjogging für zwei